Promod hat momentan zwar nicht die beste Kleidung, seine Tüten sind jedoch tadellos, sogar wasser- und reißfest! Dafür sollten sie eine Auszeichnung erhalten!
Man kann sie wunderbar als Wasserbehälter benutzen. Und hätten wir nicht so eine Tüte heute mit im Park gehabt, wäre uns einer der schönsten Momente entgangen, die die Welt für umsonst zu bieten hat.
Die Chronik des Tages verlief folgendermaßen:
Ich wachte viel zu früh auf, von allein, vor den Kindern. Des Ausschlafen unfähig, bin ich wohl geworden. Dunkle Jalousien würden vielleicht helfen.
Kaffee. (nein, ich bin nicht süchtig, ich brauch ihn nur um wach zu werden).
Ich schlich also in die Küche, so leise, wie das mit knarrendem Holzboden nur geht, hoffend die Ruhe so lange wie möglich auszukosten, meine persönlich wertvollste Zeit.
Ich machte routiniert Kaffee und kippte die Milch hinein.
Plumps.
Mist.
Milch sollte nicht plumpsen! Halb ärgerlich, weil ich den Kaffee nun mal nur braun trinke, halb erleichtert, weil mir die Milch schon so lange nicht schlecht geworden ist, dass ich annahm, die tun da irgendein Gift rein, damit sie nicht gerinnt.
Egal, zum Glück brauche ich das Koffein ja nicht. Setze ich mich an den Pc, denn ich habe vor in Philosophie noch ganz schell eine Hausaufgabe einzureichen, da aufgrund von Fehlzeiten (das geht vom AT ab) meine 13 Punkte in Gefahr sind.
Ich fummel mich ins Thema und merke, was für ein Umfang das ganze Thema hat. Darüber könnte man eine Doktorarbeit schreiben. Trotzdem der Anfang ist gemacht, ich habe Feuer gefangen,bin konzentriert. Ordne meine Gedanken und werde von meinen nun wachen Kindern, jede gefühlte 5 min. unterbrochen.
Das ist eine sanfte Art der Folter und ich werde gereizt. Immer wieder werde ich mitten in meinen Gedanken unterbrochen und ich möchte weinen, um mich schlagen, aufgeben, aber ich schreibe weiter. Ich bestehe darauf. Groß genug sind sie, um das zu lernen. Zwischendurch schreie ich fast schon: Raus!
Höre draußen Ali: Mama wird bösartig, wenn du da jetzt nochmal rein gehst. Bösartig, ein Wort mit dem ich nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Ich schreibe aber weiter. "Nachher gehen wir in den Park!"
Und das tun wir dann irgendwann endlich auch. Zu erst wünsche ich mir einfach nur faul in der Sonne liegen zu dürfen. Aber dann überwinde ich mein "Ich will aber" und gehe mit meinen Kindern auf den Spielplatz, wo auch Wasser fließt und fange an zu zaubern. Zuerst zauber ich gute Laune. Ich zeige ihnen, wie man nur mit seinen Händen, Sand und Wasser Spaß haben kann, wie formbar der Sand ist, wie wunderbar sich der Matschepamps anfühlt, wie belebend das kalte Wasser wirkt, wie man gemeinsam viel besser spielen kann, als gegeneinander und merke, dass ich vor allem mir selbst all das gerade gezeigt habe. Wann und vor allem warum haben wir je damit aufgehört im Sand zu spielen??
Andere Kinder stehen herum und gucken uns begeistert zu, darunter auch zwei sehr hübsche Mädchen, die versuchen die Burg nachzubauen. Es klappt nicht. Ihre Blicke verstehend, frage ich sie, ob sie mitbauen wollen. Sie sind schüchtern, nicken aber. Sie sprechen russisch miteinander, nur wenig Deutsch. Aber Sandburgen bauen klappt auch prima ohne Sprache. Nun bin ich fast euphorisch, meine Kinder auch.
Aus einem liegengelassenen Eisbecher werden kleine Hütten. Aus einem kleinen Zweig und einem Blatt werden Fahnen. Sogar eine Leiter hat Ali in seine Burg hinein gebaut.
Mein genervtes Ich ist irgendwo auf der Wiese auf dem Weg zum Spielplatz verloren gegangen. Vermisst habe ich es nicht. Ich bin viel lieber die Begeisterte. Und es versteht sich von selbst, dass ich all die Erwachsenen auf ihren Bänken hockend furchtbar langweilig fand.
Es fiel uns schwer von unserer Burganlage zu trennen. "Das war der zweit beste Tag meines Lebens!" sagt mein Kleiner in alle Richtungen Übertreibender. "Der beste war, als ich dich das erste Mal in meinem Leben gesehen hab!" Keine Spur mehr von meiner Bösartigkeit.
Ob sie morgen wohl noch steht, fragten meine Kinder.
Ich weiß es nicht, und ein Teil von mir wünscht sich plötzlich, dass Sand stabiler wäre. Aber wäre er es, dann hätten wir nicht so viel Spaß mit ihm gehabt.